Schlagwort: meine Pläne

  • Gott zum Lachen bringen, oder: Wenn es nicht so läuft

    Vor zwei Wochen beim Lauftraining: Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber es dämmert schon. Hell genug, dass ich den Weg sehe. Die ersten Kilometer laufe ich noch etwas verschlafen. Wie auf Autopilot. Langsames Tempo. Tagträumend. Ob man laufen und gleichzeitig schlafen kann? Nein, geht bestimmt nicht. Rechts zwei Rehe! Ganz nah. Fast erschrecke ich mich. Die Rehe aber offensichtlich auch. Weg sind sie. Wäre aber eine nützliche Zeitersparnis, beides gleichzeitig zu können. Vielleicht geht das ja wirklich. Mir kommt die Läuferweisheit in den Sinn: „Traue keinem Gedanken, der dir nicht beim Laufen gekommen ist.“ Na, dann könnte das ja vielleicht doch gehen. So hänge ich meinen Gedanken nach.

    Langsam ziehe ich das Tempo an. Bin jetzt warmgelaufen. Dann, etwa bei Kilometer 10, zwackt es zum ersten Mal leicht, so um den rechten Sitzhöcker und Innenseite Oberschenkel. Aber so was passiert manchmal. Wird schon wieder weggehen. Und ist ja bloß ein leichtes Zwacken.

    Kilometer 15: Es zwackt immer noch. Nein, eher schon ein schmerzhaftes Ziehen. Ich laufe trotzdem weiter. Bei Kilometer 18 tut es richtig weh. Aber anhalten und nach Hause g e h e n? Kommt nicht in Frage! Die geplanten 21 Kilometer mache ich jetzt noch voll.

    Die Folgen meiner Unvernunft: Zwei Tage später humple ich immer noch mehr, als dass ich gehe, und insbesondere Treppensteigen ist sehr mühsam und tut weh. Als ich versuche, mir im Sitzen(!) mein Hose anzuziehen (stehend in meine Hose zu gelangen, wäre ein aussichtsloses Unterfangen) und daran denke, was für eine ambitionierte Zielzeit mir meine Trainings-App für den Marathon im Sommer prognostiziert hat (unter 3:20 h), da kommt mir der Satz in den Sinn: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Und beinahe muss ich selbst lachen.

    Ich konnte diesem Satz von Blaise Pascal (1623-1663), dem französischen Universalgenie, der sich in Mathematik, Physik, Philosophie, Literatur und Theologie einen Namen gemacht hat, bislang nicht viel abgewinnen. Ein Gott, der sich über meine Pläne lustig macht? Der mir vielleicht sogar missgönnt, dass meine Pläne aufgehen?

    Aber als ich da so sitze und mir der offenkundige Gegensatz zwischen läuferischen Plänen und aktuellem Unvermögen, auch nur schmerzfrei eine Hose anzuziehen, bewusst wird, da gefällt mir dieser Satz. War ich ganz vielleicht doch etwas zu verbissen unterwegs? Könnte es sein, dass mein Körper mir irgendetwas sagen wollte? Mir dämmert langsam, dass es keine gute Idee war, mit zunehmenden Schmerzen einfach weiterzulaufen. Und dass mein Trainingsplan das doch so vorsah, war nun wirklich ein schwachsinniges Argument dafür, einfach weiterzulaufen.

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