Schlagwort: Dankbarkeit

  • Lichte Erlebnisse

    Es dauerte nur kurz oder buchstäblich wenige Augenblicke, es war nicht willentlich herbeigeführt, sondern geschah ohne erkennbaren Anlass: ein starkes, unvergleichliches Gefühl tiefen Glücks, auch von Geborgenheit, Zartheit und Dankbarkeit, teilweise verbunden mit einer Art Gewissheit, dass ich in Hinblick auf die Endlichkeit meines Erdendaseins keine Sorgen geschweige denn Angst haben muss.

    Das ist mir dreimal passiert, zumindest soweit ich mich erinnere. Immer etwas verschieden. Beim ersten Mal, ich war vielleicht 13 oder 14 und saß im Auto, überwog das Gefühl der Gelassenheit – die ich damals ziemlich nötig hatte. Die anderen beiden Male waren vor wenigen Jahren. Ich saß im Zug und schaute aus dem Fenster, bis mir vor Glück und Dankbarkeit die Tränen kamen. Und einmal lag ich tagträumend auf dem Bett, nachdem ich vorher den Rosenkranz gebetet hatte.

    Es waren Momente der Klarheit, des intensiven Erlebens, und auch wenn es vor meinen Augen nicht heller wurde, bringe ich diese Momente im übertragenen Sinne mit „Licht“ in Verbindung. Zwei Menschen, denen ich davon erzählte, berichteten mir ihrerseits, dass sie als Kind Ähnliches erlebt hatten. Beim Zähneputzen sei plötzlich das Licht angegangen – nicht das elektrische Licht, sondern ebenfalls in einem übertragenen Sinne – oder ein Sonnenstrahl habe sie getroffen.

    Die geschilderten Erlebnisse waren kurz, aber von nachhaltiger Wirkung, weil ich mich sehr gern und bewusst an sie erinnere. Ich weiß noch heute die genaue Stelle, an der mir während der sonst ereignislosen Autofahrt diese Erfahrung vergönnt war. Soweit ich das rückblickend noch beurteilen kann, hatte ich kein eingeschränktes Zeitempfinden, wie es mit mystischen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird.

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  • Wie sich Gott finden lässt

    Welche Wege gibt es, Gott zu finden? Diese Frage haben sich Menschen immer wieder gestellt, wenn sie sich nach Gott gesehnt, nach einer intensiven Beziehung zu ihm gesucht oder sich schlicht nur Gedanken über ihn gemacht haben. Die Wege, Gott zu finden, sind sicherlich mindestens so zahlreich, wie es Menschen gibt. Drei dieser Wege, drei breite Schneisen, zwischen denen es auch Verbindungen gibt, möchte ich vorstellen.

    Der erste Weg ist der, den Menschen beschreiten, wenn sie danach fragen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, wie es Faust formuliert. Das ist vor allem, wenn auch nicht nur, der Weg der Naturwissenschaftler, der Astronomen, auch der Mathematiker und all jener, die der Frage nach dem Wesen unserer Welt, ihrer Entstehung, ihrem Funktionieren usw. nachgehen.

    Wer sich auf diesen Weg begibt, tut dies zumeist gerade nicht, weil er auf der Suche nach Gott ist. Und dennoch hat sich Gott auch auf diesem Weg finden lassen. Es ist das Staunen über die Schöpfung, ihre Großartigkeit, ihre Schönheit und auch über ihre Geheimnisse, die Menschen ergriffen und manch einen unverhofft zu Gott geführt hat. Vielleicht das Staunen darüber, dass das Universum gerade so beschaffen ist, dass es Leben, ja dass es uns Menschen gibt, die es beobachten können – denn physikalisch gesehen wäre auch eine andere Realisierung des Universum denkbar. Stichwort „anthropisches Prinzip“.

    Der zweite Weg ist ein altbewährter mit langer Tradition. Es ist der Weg der Askese, des bewussten Verzichts, der Kontemplation. Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass sich auf diese Weise besondere Erfahrungen der Nähe Gottes einstellen können. Wer schon mal eine Zeit lang gefastet hat oder überhaupt bewussten Verzicht geübt hat, wird vielleicht gespürt haben, wie die Sinne und wie der Geist insgesamt empfänglicher werden, nicht nur, aber auch für die unsichtbare Gegenwart Gottes.

    Beispiele für diesen Weg sind die Klöster und allgemein das monastische Leben. Auch dieser Weg ist zwar keine Garantie auf eine intensive Gotteserfahrung, doch kann er den Boden bereiten für eine bewusstere und erfüllende Begegnung mit Gott.

    Und schließlich der dritte Weg: Es ist der, wie ich finde, schönste, weil am einfachsten zu beschreitende Weg, auf dem zu gehen, ich ohne großen Aufwand schon heute beginnen kann. Es ist der Weg der Dankbarkeit. Auch dieser Weg ist uralt und bewährt. Schaut man in die Bibel, so legen die zahlreichen Dankpsalmen ein beredtes Zeugnis ab von diesem Weg, Gott zu finden. Seinerzeit war für den frommen Juden das Danken etwas so Unverzichtbares, so Notwendiges zum Leben wie das Atmen. Er konnte gar nicht anders, als Gott zu danken und ihn zu loben. Dank war nicht Etwas, das es Gott gleichsam pflichtschuldig zu entrichten galt, so wie man ein kleines Kind dazu anhält, „Danke“ zu sagen, wenn es etwa beim Einkaufen von der Verkäuferin einen Bonbon geschenkt bekommt.

    Der Psalmist dankt, weil es ihm gut tut, weil er gar nicht anders kann und nicht etwa, um zu bewirken, dass Gott ihm wohlgesonnen und zugewandt bleibt. Gott wäre nicht Gott, wenn er auf unser Danken angewiesen wäre. Und erst recht nicht macht Gott seine Liebe und Güte gegenüber uns davon abhängig, ob wir danken. Aber wir dürfen Gott danken. Es tut gut, das zu tun, auch wenn dem modernen Menschen, für den Danken vor allem ein Teil der Höflichkeit und der Etikette ist, dafür etwas das Gespür abhanden gekommen ist.

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