Lichte Erlebnisse

Es dauerte nur kurz oder buchstäblich wenige Augenblicke, es war nicht willentlich herbeigeführt, sondern geschah ohne erkennbaren Anlass: ein starkes, unvergleichliches Gefühl tiefen Glücks, auch von Geborgenheit, Zartheit und Dankbarkeit, teilweise verbunden mit einer Art Gewissheit, dass ich in Hinblick auf die Endlichkeit meines Erdendaseins keine Sorgen geschweige denn Angst haben muss.

Das ist mir dreimal passiert, zumindest soweit ich mich erinnere. Immer etwas verschieden. Beim ersten Mal, ich war vielleicht 13 oder 14 und saß im Auto, überwog das Gefühl der Gelassenheit – die ich damals ziemlich nötig hatte. Die anderen beiden Male waren vor wenigen Jahren. Ich saß im Zug und schaute aus dem Fenster, bis mir vor Glück und Dankbarkeit die Tränen kamen. Und einmal lag ich tagträumend auf dem Bett, nachdem ich vorher den Rosenkranz gebetet hatte.

Es waren Momente der Klarheit, des intensiven Erlebens, und auch wenn es vor meinen Augen nicht heller wurde, bringe ich diese Momente im übertragenen Sinne mit „Licht“ in Verbindung. Zwei Menschen, denen ich davon erzählte, berichteten mir ihrerseits, dass sie als Kind Ähnliches erlebt hatten. Beim Zähneputzen sei plötzlich das Licht angegangen – nicht das elektrische Licht, sondern ebenfalls in einem übertragenen Sinne – oder ein Sonnenstrahl habe sie getroffen.

Die geschilderten Erlebnisse waren kurz, aber von nachhaltiger Wirkung, weil ich mich sehr gern und bewusst an sie erinnere. Ich weiß noch heute die genaue Stelle, an der mir während der sonst ereignislosen Autofahrt diese Erfahrung vergönnt war. Soweit ich das rückblickend noch beurteilen kann, hatte ich kein eingeschränktes Zeitempfinden, wie es mit mystischen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird.

Ich habe nach solchen Momenten zwar keine Sehnsucht – das wäre ein zu starkes Wort – und ich wäre ohne diese Erfahrungen vermutlich nicht weniger glücklich und zufrieden als ich es bin, aber es wäre gleichwohl schön, so etwas noch einmal erleben zu dürfen. Doch ich habe auch gemerkt, dass solche Momente nicht bewusst herbeigeführt werden können. Für mich sind sie ein Geschenk Gottes.

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